Vita

Marcel Nguyen, geb. am 08.09.1987 in München, begann seine Kunstturnkarriere bereits mit vier Jahren beim Mutter-Kind-Turnen. Mit sieben Jahren trat er in die Turnabteilung des TSV Unterhaching ein, wo er unter Trainer Richard Hörle mit dem regelmäßigen Training begann.

1995 wurde er in das Landesleistungszentrum München aufgenommen, wo er ab diesem Zeitpunkt von Landestrainer Kurt Szilier trainiert wurde, der Marcel, soweit er in München ist, bis heute betreut. 1997 erfolgte die Aufnahme in den Perspektivkader, das heißt in den Kreis der besten jungen Kunstturner deutschlandweit. Unter den damaligen Jugendtrainern Andreas Hirsch und Jens Milbradt gelang schnell der Sprung vom D-Kader bis in den B-Kader.

2002 nahm Marcel bereits zum ersten Mal an einem internationalen Wettkampf mit der Jugendnationalmannschaft teil. Schulisch war dies vor allem über die Kooperation mit dem Isar-Sportgymnasium München, einer Eliteschule des Sports, möglich, wo Marcel von Anfang an maßgeblich durch Direktor Huber unterstützt wurde. Im Jahr 2005, nachdem Marcel erfolgreich bei der Einzel-WM in Melbourne teilgenommen hatte, wechselte er für ein Jahr auf das Sportinternat nach Stuttgart, um sich unter den Trainern Anatoli Jamosky und Kurt Nigel mit seinen Nationalmannschaftskollegen optimal auf die Mannschafts-WM in Aarhus vorbereiten zu können.

2006 wechselte Marcel wieder zurück ans Isar-Sportgymnasium, um sich dort auf sein Abitur vorzubereiten, das er im Sommer 2007 parallel zu den laufenden Wettkämpfen erfolgreich absolvierte. Mit freiem Kopf und gerade 20 geworden, ließ sich dann die Bronze-Medaille des TurnTeam Deutschlands beim Heimspiel in Stuttgart (Mannschafts-WM) noch besser feiern. Zitat Marcel: „Die Stimmung in Stuttgart war einfach der Hammer! So viele Fans – man kam sich fast wie ein Fußballspieler vor ;-).“
Seit 1. Juli 2007 gehört Marcel der Sportfördergruppe der Bundeswehr an, was ihm eine optimale Vorbereitung auf die olympischen Sommerspiele in Peking ermöglichte.

2008 war ein spannendes Jahr für Marcel und das TurnTeam: bei der EM in Lausanne galt es, die Leistungen des Vorjahres zu beweisen – was der Turn-Boygroup auch gelang. Nur Russland war stärker und mit einer Silbermedaille in der Tasche ließ sich die Olympia-Vorbereitung in Berlin und Tokio wenigstens etwas entspannter angehen.
In Peking lief dann leider nicht alles optimal; Platz eins und zwei waren so gut wie gesetzt und im Kampf um die Bronzemedaille musste sich Deutschland knapp den USA geschlagen gegeben. Aber schon allein die Atmosphäre im olympischen Dorf machte für Marcel die Mühe der vergangenen Monate mehr als wett.
Kaum zurück in Deutschland, absolvierte Marcel seine Grundwehrausbildung und turnte am Wochenende gleichzeitig für seinen neuen Bundesligaverein KTV Straubenhardt. Am Ende „nur“ Platz 2 hinter dem SC Cottbus – wir sind auf die Revanche in der kommenden Saison gespannt!

2009 konnte Marcel zeigen, dass aus dem Barrenspezialisten ein Allrounder geworden war - im stark besetzten Feld der Champions Trophy in Frankfurt behielt er als einziger die Nerven und wurde am Ende mit Platz 2 belohnt, ebenso bei der DM wenige Tage später. Da war es dann auch kein Wunder, dass der neue Mehrkampf-Star des Nationalteams die KTV Straubenhardt am Ende der Saison zum Deutschen Meistertitel führte.

2010 begann turnerisch mit einem Knaller: im April holte das deutsche Team bei der EM in Birmingham die Goldmedaille - das erste Mal überhaupt in der Geschichte dieses Wettkampfs! Und historisch ging es weiter: bei der DM konnte sich Marcel als erster Bayer die Krone des besten deutschen Mehrkämpfers aufsetzen und qualifizierte sich damit direkt für die WM. Aber dann verließ ihn für einen kurzen Moment das Glück und bei einem Testwettkampf stürzte er bei seiner Bodenübung so unglücklich, dass er sich das Wadenbein brach. Aus für die WM und den Rest der Saison - und so konnte er nur von zu Hause aus jubeln, als seine Kollegen die Bronzemedaille gewannen.

Aber Marcel ist ein Kämpfer und stand schon wenige Wochen nach seiner Verletzung wieder in der Halle. Und so gelang ihm knapp ein halbes Jahr später, was niemand für möglich gehalten hätte: bei der EM 2011 vor heimischen Publikum in Berlin turnte er nicht nur einen kompletten Mehrkampf, sondern errang auch Gold am Barren (was seit 56 Jahren keinem Deutschen mehr gelungen war). Ein weiterer Höhepunkt in dieser Saison ist die WM in Japan, die gleichzeitig die Qualifikation für die Olympischen Spiele in London ist. Seien wir gespannt, was da noch auf uns zukommt ...

Momentan wird Marcel von Bundestrainer Andreas Hirsch, am Olympiastützpunkt Stuttgart von Valeri Belenki und in München weiterhin von Kurt Szilier trainiert. Sein Paradegerät ist der Barren, an dem er als einer der ganz wenigen Turner auf der Welt den spektakulären Tsukahara als Abgang beherrscht.